Bei Erinnerung Mord
Dokumentarischer Kriminalroman nach einer wahren Begebenheit
(bs). Paris im Oktober 1961: Der Algerienkonflikt ist im vollen Gange, und bei einer Demonstration gegen diesen Krieg werden über hundert friedliche Demonstranten erschossen. Der Polizeipräfekt drückt die offizielle Zahl der Opfer auf drei hinunter und erwähnt beiläufig, dass ein Franzose unter ihnen war: Roger Thiraud, Studienrat für Geschichte, nur zufällig am falschen Ort und aus nächster Nähe erschossen. So scheint es.
21 Jahre später wird sein Sohn Bernard, der nach Rogers Tod geboren wurde, in Toulouse bei Nachforschungen von einem Unbekannten erschossen. Ein unbedeutender Zufall, doch Inspecteur Cadin übernimmt den Fall und deckt die Hintergründe und Zusammenhänge zweier Morde auf, die über 20 Jahre auseinanderliegen. Die Spur führt Inspecteur Cadin zu einem Massenmörder, der seine Verbrechen während der Vichy-Regierung im Zweiten Weltkrieg zu vertuschen versucht. Von 1961 führt diese Spur ins Jahr 1982, dann wieder in die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in das französische Konzentrationslager Drancy.
Autor Didier Daeninckx lässt seinen Kriminalroman „Bei Erinnerung Mord“ wie einen Dokumentarbericht anrollen, aus dem Französischen von Stefan Linster übersetzt. Mit geschliffener Sprache von kristallener Klarheit schildert er wie beiläufig die Vorgänge des 17. Oktober 1961 und fesselt den Leser damit an sein Buch. Mit Witz und Ironie betrachtet er die Absurditäten des Alltäglichen, reißt den Leser mit und gibt ihm in jeder Minute das Gefühl, nur wenige Zentimeter entfernt von Inspecteur Cadin zu stehen und doch ein neutraler Beobachter zu sein. Didier Daeninckx versteht es meisterhaft, seine Figuren nicht steril erscheinen zu lassen: Inspecteur Cadin gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, er will den Dingen auf den Grund gehen, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die ihm daraus erwachsen. Doch sein Idealismus versagt ob der eingefahrenen Strukturen, gegen die er sich auflehnt.
Hintergrund dieses Romans bildet das reale Leben: Die Affäre Maurice Papon. Der damalige Polizeipräfekt von Paris ließ nach der Niederschlagung der Demonstration gegen die nächtliche Ausgangssperre für Algerier verlauten, dass offiziell nur die Zahl von drei Opfern zugegeben wurde, darunter ein Franzose, der „damals der Durchsetzung des französischen Rechts zum Opfer gefallen“ war (aus der Autobiographie Papons, 1988). Das Buch wurde 1985 von Laurent Heynemann unter dem Titel „Meurtres pour mémoire“ verfilmt. Doch hatten das Buch und der Film noch einen späten Erfolg: Maurice Papon wurde 1998 der Prozess gemacht.
„Bei Erinnerung Mord“ geht über das normale Maß an Unterhaltungsliteratur hinaus, es deutet dem Leser tatsächliche Begebenheiten an und zieht einen von der ersten Minute an in seinen Bann!
Autorenportrait:
Didier Daeninckx wurde 1949 in Saint Denis geboren. Er arbeitete zunächst als Drucker und Freizeitbetreuer für Jugendliche, seit 1975 ist er als Journalist und Schriftsteller tätig. Gemeinsam ist allen seinen Werken, dass sie die tragischen Aspekte des Alltäglichen mit Ironie und schwarzem Humor beschreiben. Sein Buch „Bei Erinnerung Mord“ gilt als einer der besten Romane, die er geschrieben hat und wurde ein Verkaufserfolg in Frankreich. Er wurde mit dem „Grand Prix de Littérature policière“ und dem „Prix Paul Vaillant Couturier“ ausgezeichnet und 1985 von Laurent Heynemann verfilmt.
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Didier Daeninckx |
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