Alles Wölfe!
Geschichten und Bilder
(ag). Der Wolf hat die Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst: Kaum ein anderes Tier spielt in so vielen Sagen, Geschichten, Märchen und Fabeln eine so bedeutende Rolle wie dieses faszinierende Wildtier. Während ihm in vielen Kulturen mythische Fähigkeiten zugesprochen wurden, war man ihm bei uns für lange Zeit nicht besonders wohl gesonnen. Zu sehr war sein Ruf von der bösen, fleischfressenden Bestie geprägt. Doch nicht nur in Märchen und Fabeln finden wir den Wolf selbst heute noch wieder, auch in unserem Sprachgebrauch hat er sich entschieden durchgesetzt. Zahlreiche Tiere und Pflanzen wie zum Beispiel die Wolfsspinne und die tropische Wolfsmilch wurden nach ihm benannt, in etlichen Sprichwörtern taucht er auf. Die Herausgeberin Juliane Spatz hat in ihrem Werk für Kinder ab elf Jahren all das gesammelt, womit wir den Wolf in Verbindung bringen: In „Alles Wölfe!“ sind sowohl Märchen und Geschichten veröffentlich, wie auch Rätsel, Bilder und sogar ein Daumenkino von Franziska Biermann.
In der Erzählung „Wolfie erzählt eine Geschichte“ von David Henry Wilson wird die Geschichte vom bösen Werwolf auf ganz besondere Art berichtet: Einmal im Monat, wenn Vollmond ist und die Nacht am tiefsten, verwandelt sich Wally in einen schrecklichen Werwolf. Die Aufregung in seiner Familie ist groß, denn statt seines schönen Wolfspelzes besitzt er nun eine eklig rosa Haut, seine Zähne sind nicht mehr spitz und scharf, sondern unbrauchbar flach, und anstelle seiner dünnen langen Horcher hat er plötzlich die platten Ohren eines Menschen. Wie das Wolfsrudel mit dieser menschlich anmutenden Gefahr fertig wird, erzählt der Autor auf sehr lebendige Weise, die besonders durch die Umkehrung von gut und böse an Originalität gewinnt.
Als gelungener Abschluss dieses Werkes steht ein Interview mit Dr. Marion Ebel, die täglich in einem Wildpark mit Wölfen arbeitet. Hierbei werden Vorurteile geklärt, die durch jahrhundertelang gültige Gerüchte entstanden sind. Der starke Hass auf den Wolf findet nach Meinung von Dr. Marion Ebel seinen Ursprung im Mittelalter, als die Menschen sesshaft wurden und sich Tiere wie Schafe und Ziegen hielten. Wenn Wölfe diese Tiere gerissen haben, wussten die Menschen nicht mehr, wie sie überleben sollten und fingen deswegen an, den Wolf in unseren Gebieten systematisch auszurotten. Glücklicher Weise ist der Wolf seit 1976 im Washingtoner Artenschutz ganzjährig geschützt und darf nicht mehr gejagt werden. Auf diese Weise bleibt er uns weltweit nicht nur in Märchen und Fabeln erhalten, sondern auch als in Freiheit lebendes Wildtier.
In „Alles Wölfe!“ stellt Herausgeberin Juliane Spatz zahlreiche Beiträge zum Thema Wolf vor, in denen sowohl der hinterlistige Wolf von „Rotkäppchen“ zur Geltung kommt, als auch der scheue Wolf aus freier Wildbahn. Ihr ist damit eine überaus bunte Mischung zum Lachen, Ansehen und Nachdenken aus den Werken vieler bekannter Autoren gelungen!
Herausgeberportrait:
Juliane Spatz, geboren 1963, aufgewachsen in Frankfurt am Main und Freiburg, Studium der Germanistik, lebt als Journalistin in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte mehrere Beiträge in einer Kinderzeitschrift sowie in verschiedenen Anthologien.
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Juliane Spatz (Hrsg.) |
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