Villa Paradiso

Als der Krieg in die Toskana kam

Villa Paradiso(tj). Toscana 1944: Auf dieser Bühne baut Christiane Kohl ihre Geschichte auf, recherchiert aus vielen Quellen und zum Teil rekonstruiert aus persönlichen Gesprächen mit Augenzeugen. Hiermit kommt sie einem scheinbar menschlichen Bedürfnis nach, sich schweren Themen durch Anteilnahme an Einzelschicksalen zu nähern. So ist es eine junge Italienerin, sie wird Flavia Castelli genannt, die im Mittelpunkt des Buches „Villa Paradiso“ steht. Dieser Frau und ihrem Bruder Lucio ist das Buch als ein literarisches Mahnmal gewidmet, sie stehen stellvertretend für all die Opfer deutscher Soldaten, in Italien und anderswo. Doch Christiane Kohl widersteht dem Drang, den historischen Stoff prosaisch zu erweitern, auszuschmücken, mit schriftstellerischer Phantasie zu gestalten. Nein, sie bleibt bei den Fakten, so dass einem beim Lesen immer wieder deutlich wird, es ist keine Fiktion, die einem da die Tränen in die Augen treibt, sondern Realität. Dazu tragen auch die alten Fotographien bei, welche die Protagonisten zeigen, wie sie waren, Menschen des Alltags, keine idealisierten oder dämonisierten Figuren.

Eine Frage, der in dem Buch „Villa Paradiso“ nachgegangen wird, lautet: Was vermag Liebe, Mitgefühl und Solidarität in Kriegszeiten zwischen den Fronten bewirken? Die Antwort und damit eine Botschaft des Buches ist klar: Es gibt immer einen Schlupfwinkel für eine gute Tat, scheint die Übermacht der Herrschenden auch noch so groß. In diesem Spannungsfeld findet mancher Mensch erst zu seiner wahren Bestimmung im Leben, selbst wenn es ihn dieses Leben kosten sollte.

Das Erscheinen des Buches „Villa Paradiso“ führte in Italien dazu, dass alte Strafermittlungen wieder aufgenommen werden. Auch hätte es fast zur Widerbegegnung zwischen Flavia Castelli und dem deutschen Soldaten Rolf Matthes geführt, der damals Flavia und ihrer Mutter das Leben rettete. Doch wenige Tage, bevor ein Brief Flavias die recherchierte Adresse in Deutschland erreicht hatte, war Rolf Matthes an einem Herzinfarkt gestorben. Zeitlebens hatte er, wie seine Frau zurückschrieb, ein Jugendfoto von Flavia bei sich getragen.

Exakt recherchiert und einfühlsam portraitiert, führt uns Christiane Kohl einen Teil unserer geschichtlichen Vergangenheit vor Augen als Plädoyer für Frieden und Völkerverständigung.

Autorenportrait:
Christiane Kohl, geboren 1954, war als Bonner Korrespondentin des Kölner „Express“ und später als Pressesprecherin im Hessischen Umweltministerium tätig. Von 1988 bis 1998 arbeitete sie als Redakteurin beim „Spiegel“. Seit Herbst 1999 ist sie Italienkorrespondentin der „Süddeutsche Zeitung“ in Rom.

Villa Paradiso

Christiane Kohl
Villa Paradiso
Als der Krieg in die Toskana kam
Goldmann Verlag, München
ISBN 3-442-30961-1
288 Seiten, mit 34 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 13,5 x 21,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 21,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 37.-

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Villa Paradiso - Als der Krieg in die Toskana kam

Christiane Kohl
Villa Paradiso
Als der Krieg in die Toskana kam
Goldmann Verlag, München
ISBN 3-442-15277-1
288 Seiten, mit 34 s/w-Abbildungen, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,95 (D) / € k. A. (A) / sFr 15,90

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