Spuren der Macht
Die Verwandlung des Menschen durch das Amt – Eine Langzeitstudie
(sl).
Verändert Macht einen Menschen, hinterlässt das Innehaben eines Amtes
optische Spuren? Dieser Frage ist Fotografin und Autorin Herlinde Koelbl in
einer Langzeitstudie nachgegangen. Sie hat führende Köpfe überwiegend
aus der Politik, aber auch aus Wirtschaft und einen Medienmacher, über
acht Jahre hinweg begleitet. Die „Spuren der Macht“ haben die Protagonisten
unterschiedlich stark gezeichnet – optisch und in ihren Aussagen.
15 Kandidaten, davon 5 Frauen, nahmen an der Langzeitstudie von 1991 bis 1998 teil: Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Angela Merkel, Heide Simonis, Heinrich von Pierer, Frank Schirrmacher, Karlheinz Blessing, Monika Hohlmeier, Arnold Vaatz, Henning Schulte-Noelle, Renate Schmidt, Peter Gauweiler, Friedbert Pflüger, Rolf Schlierer und Irmgard Schwaetzer. Einmal im Jahr kamen Autorin und Kandidat/in zum ausführlichen Interview zusammen. In diesen Gesprächen stellte Herlinde Koelbl oftmals sehr direkte und auch persönliche Fragen – sie werden ausschließlich ebenso direkt beantwortet, was eine der Faszinationen dieses Bildbandes ist. Als Glücksgriff erwies sich die Kandidatenwahl allemal: Wer wusste zu Beginn des Projektes, dass Joschka Fischer Außenminister werden würde? Und am Anfang der Langzeitstudie stand auch noch in den Sternen, dass Angela Merkel die erste deutsche Bundeskanzlerin wurde.
Vor allem aber die Fotos sind eine spannende Dokumentation der Zeit: Portraits, die in den acht Jahren eine eigene Sprache sprechen. Alle Bilder wurden in Schwarzweiß vor einfachem weißem Hintergrund aufgenommen, so dass nichts von Ausdruck und Persönlichkeit der dargestellten Personen ablenkt. Neben den sofort auffälligen Merkmalen, wie die sich veränderte Körperfülle von Joschka Fischer oder die unterschiedlichen Frisuren von Irmgard Schwaetzer, konzentrieren sich die Bilder auf Körpersprache und Gesichtsausdruck. Auffällig bei den meisten: Die stärker werdenden Linien in den Gesichtern. Auch meint man Höhen und Tiefen der Personen aus den Gesichtern lesen zu können, da sich entspanntes Lächeln und angespannte Gesichtsauszüge durchaus abwechseln. „Politiker sind die Menschen mit den schmalen Lippen, weil sie so viel runterschlucken“, so Joschka Fischer.
Ganz und gar nicht schmal ist der Bildband „Spuren der Macht“. Das umfangreiche Buch ist ein beeindruckendes Psychogramm deutscher Führungskräfte und gewährt Einblicke hinter Fassaden, die sonst verborgen bleiben. Zum Wahljahr 2002 erscheint „Spuren der Macht“ als Sonderausgabe.
Autorenportrait:
Herlinde Koelbl kann auf ein umfangreiches Werk zurückblicken, das ihr
zahlreiche Preise im In- und Ausland beschert hat. Ihre Bilder sind mittlerweile
in internationalen Museen und Fotosammlungen vertreten. Viele ihrer Bücher
wurden zu Bestsellern, darunter auch „Schreiben!“.
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