really ground zero
11. september und folgendes
(tmj).
„zunächst stand ich vor der frage, was ich damit mache,
mit diesem haufen an authentizität, mit diesem scheinbaren aufgehen in
einem ereignis, in diesem zu großen bild, in das man plötzlich wie
eingezogen ist oder eingezogen wurde.“ Autorin Kathrin Röggla
beantwortet sich diese Frage selbst mit einem ungewöhnlichen Buch. In zum
Teil sehr knapper Sprache und reduziertem Satzbau beschreibt sie in „really
ground zero“ die Reaktionen der Menschen um sie herum, das Geschehen auf
der Straße und nicht zuletzt die Folgen der Ereignisse in den Medien.
„really ground zero“ besteht aus Satzfetzen, Zitaten, manchmal über mehrere Zeilen in englischer Sprache, und ergeben 22 kurze Kapitel, unterbrochen von Seiten voller schwarzweißer Fotografien.
Der Leser fühlt sich mehr und mehr in der Situation des Fernsehzuschauers, der hektisch durch die TV-Kanäle zappt und sich bruchstückhaft ein Bild zusammensetzt, dass als Ganzes viel mehr ist, als nur die Summe seiner Teile und vor allem viel absurder. Die ungewohnte Kleinschreibung des ganzen Textes trägt zusätzlich zu einer Befremdung beim Lesevorgang bei, wobei die Sprachlosigkeit des Schreckens verzweifelt nach einer Sprache sucht. Aber, so die Überschrift des 17. Kapitels: die vergleiche hinken, und wir ihnen nach.
Man kann sich diesem Buch durch schnelles durchblättern mit dem Daumen annähern, oder an einer beliebigen Stelle zu lesen beginnen – egal – denn am Schluss bilanziert die Autorin: „aber überblick gibt´s doch nicht – ach was.“
Wer sich von Text- und Bildcollagen und experimentellem Schreibstil angesprochen fühlt, kann mit diesem Buch „really ground zero“ wie durch ein Kaleidoskop einen ungewöhnlichen Blick auf den 11. September 2001 in New York werfen!
Autorenportrait:
Kathrin Röggla wurde 1971 in Salzburg geboren und lebt in Berlin. Sie debütierte 1995 mit dem Erzählband „Niemand lacht rückwärts“. 1997 erschien ihr erster Roman. Kathrin Röggla erhielt mehrere Literaturpreise und hielt sich im September 2001 wegen eines Stipendiums in New York auf.
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Kathrin Röggla |
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