Niki de Saint Phalle

Das Gesamtwerk der Nanas-Künstlerin

Niki de Saint Phalle(sl). Seit Niki de Saint Phalle im Mai 2002 an einer schweren Lungenerkrankung verstarb, die Folge der giftigen Polyesterdämpfe waren, mit denen sie ihre Figuren kreierte, ist unsere Welt ein wenig blasser geworden. Doch der Bildband „Niki de Saint Phalle“ bietet einen facettenreichen Rückblick auf die Biografie und das farbenfrohe Werk einer einzigartigen Künstlerin.


Die „Mutter“ der Nanas, als Catherine Martie-Agnes de Saint Phalle 1930 in Paris geboren, gilt als eine der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk – kunsthistorisch nur schwer einzuordnen – erstreckt sich von Ölgemälden aus den 1950er Jahren über die dem Neuen Realismus zugeschriebenen spektakulären Schießbilder (in Gips modellierte Farbbeutel wurden mit einem kleinkalibrigen Gewehr aufgeschossen und bildeten unkontrollierte Farbströme) bis zu den Nanas, deren Name sie einem Roman von Emile Zola entnahm. Aus den erst kleinen weiblichen Figuren aus Wolle, Stoff und Papiermache, wurden im Laufe der Jahre übermächtige, manchmal bedrohliche Papierskulpturen, die jedoch meist überaus farbenfroh sind.

Der Weg zur Kunst war für Niki de Saint Phalle ein schmerzhafter: Nach einem Nervenzusammenbruch Anfang der 50er Jahre – sie wurde als Kind vom eigenen Vater missbraucht – begab sie sich in psychotherapeutische Behandlung, die den Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens bedeutete.

Niki de Saint Phalle arbeitete aber nicht nur als Bildhauerin und Malerin. Mit ihren drallen Großplastiken, die international zwischen Stockholm und Hannover, Paris und New York aufgestellt sind, sprengte sie die Grenzen zwischen Architektur und Skulptur. Zudem zeichnete die Künstlerin bereits einige Bücher, darunter ein engagiertes AIDS-Buch, drehte diverse Filme, schrieb ein Theaterstück, schuf Bühnendekorationen, entwarf Mobiliar und Schmuck und kreierte ihr eigenes Parfum. Beeinflusst wurde ihr künstlerisches Schaffen vor allem durch ihren zweiten Mann, dem Schweizer Künstler Jean Tinguely.

Die vierzigjährige künstlerische Entwicklung von Niki de Saint Phalle wird in dem gleichnamigen Bildband eingehend dokumentiert, der anlässlich einer Ausstellung in Bonn erschien. Er umfasst eine ausführliche Biografie, eine Einschätzung von Pontus Hulten, Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, und beinhaltet eine 150 Seiten starke Fotodokumentation, die Niki de Saint Phalle von 1949 bis 1992 in allen Lebens- und Werkphasen zeigt. Eine Auswahl ihrer Briefe geben einen Einblick in die sehr privaten Gedanken, den „up and downs“, der Künstlerin. In einem umfassenden Verzeichnis lassen sich alle Ausstellungen, Projekte und Filme nachschlagen, komplettiert durch eine Bibliografie und ergänzt von farbigen Abbildungen.

Der Bildband „Niki de Saint Phalle“ ist das einzige Werk, das Leben und Schaffen der Künstlerin so umfangreich zeigt. Wer sich für bedeutende Kunst des 20. Jahrhunderts interessiert, sollte damit seine Kunst(buch)sammlung ergänzen!

Niki de Saint Phalle

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.)

Niki de Saint Phalle
Hatje Cantz Verlag, Stuttgart
ISBN 3-7757-0576-7
312 Seiten, mit 490 meist farbigen Abbildungen, Broschur, Format 25 x 28 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 25.- (D) / € 25,70 (A) / sFr 45.-

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