Nichts als die Wahrheit
Dieter Bohlen liest seine Autobiografie
(sl). Kaum eine Autobiografie hat je für so viel Wirbel gesorgt, wie „Nichts als die Wahrheit“. Unterstützt von Katja Kessler, Klatschreporterin der Tageszeitung „Bild“, räumt Dieter Bohlen endlich mit allen Lügen auf und zeigt dabei deutlich, dass Understatement und Diskretion nicht zu seinen Stärken gehören. Weil ein Buch eben nicht genug ist, gibt es den größten Teil seiner Autobiografie nun auch als Hörbuch.
Ein Genuss der „besonderen“ Art, denn Dieter Bohlen liest auf fünf CDs selbst. Dabei ist es überaus interessant, die verschiedenen Töne seiner Stimme zu hören: Erzählt er von seiner Familie, spricht er etwas leiser und sehr sanft, erzählt er vom Business, spricht er lauter und betont überzeugend. Leider wirkt trotz der authentischen „ähs“ und „ähms“ die Lesung oft hölzern, da Dieter Bohlen eben nicht frei spricht, sondern den Text abliest, wenngleich man feststellt, hält man die gedruckte Autobiografie daneben, dass er einige Sätze umstellt und andere weglässt.
Ein Hörbuch von Dieter Bohlen überzeugt sicher nicht durch hohes Niveau, doch das erwartet vermutlich auch keiner. Dass der Blonde aus dem Norden trotzdem nicht blöd ist, haben viele schon geahnt. Überraschenderweise verbirgt sich hinter seinem sorgfältig gepflegten Macho-Image auch noch ein anderer Mann: Sensibel, nachdenklich und wissend, dass er mit harter Arbeit das geschafft hat, worauf er heute blicken kann. Schade nur, dass diese ganz andere Seite von Dieter Bohlen so wenig in „Nichts als die Wahrheit“ durchblitzt.
Natürlich bekommen einige Promis gehörig ihr Fett weg, und mancher wird Bohlens Wahrheit vermutlich anwaltlich entgegen treten. Wer hofft, Dieter plaudere in „Nichts als die Wahrheit“ intime Bettgeschichten aus, wird enttäuscht. Zwar geht es immer wieder um Sex, doch rutscht Dieter Bohlen in dieser Beziehung erstaunlicherweise nicht in Peinlichkeiten ab und gibt nichts Pornographisches von sich. Verona Feldbusch und Nadja Ab del Farrag nehmen ihren Platz in der Autobiografie ein, doch bestätigen sie lediglich das, was man sowieso schon weiß: Naddel ist nicht gerade mit Intelligenz gesegnet und Verona eiskalt berechnend. Die Details, die dies belegen, sind dafür allerdings ungemein amüsant, lassen einen aber auch ebenso oft ungläubig schlucken.
Die Erfolgsgeschichte in zwei Teilen über „Modern Talking“ ist für Fans interessant und verdeutlicht außerdem, dass das Musikgeschäft nicht zu den Leichtesten gehört. Im Booklet der CDs sind deutlich mehr Fotos zu sehen, wenn auch mitunter sehr kleinformatig, als in der gedruckten Ausgabe der Autobiografie.
„Nichts als die Wahrheit“ hat laut Dieter Bohlen nicht die Absicht, ein literarisches Meisterwerk zu sein, was es auch beileibe nicht ist. Es ist aber ein kurzweiliger, überwiegend amüsanter Hörgenuss mit anspruchslosem Unterhaltungswert. Das Hörbuch ist zwar dank Dieter Bohlens eigener Lesung an Authentizität nicht zu überbieten, befriedigt dafür aber lediglich das Bedürfnis nach Klatsch und Tratsch nicht mehr und nicht weniger!
Autorenportrait:
Dieter Bohlen, geboren 1957, ist mit 500 Goldenen und 50 Platin-Schallplatten der erfolgreichste deutsche Pop-Produzent aller Zeiten. Für seine musikalischen Leistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Dr. Katja Kessler, 1969 in Kiel geboren, ist Zahnärztin und sei 1999 Klatsch-Kolumnistin bei der Zeitung „Bild“. Als Autorin schreibt sie für die „Welt am Sonntag“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Ihre Arbeit wurde unter anderem mit dem Journalisten-Preis für Lebensfreude von „Moët & Chandon“ ausgezeichnet.
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Dieter Bohlen mit Katja Kessler |
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