Mistlers Abschied
Unheilbar erkrankter Werbeagenturinhaber flieht nach Venedig
(mkb).
Venedig als Schauplatz eines todkranken Hauptdarstellers, sein Leben in Rückblenden,
die aus einer konzentrierten Erlebniswelle der Gegenwart zu einer Art Vergangenheitsbewältigung
werden.
Thomas Mistler besitzt eine renommierte Werbeagentur. Er, eine Spur arrogant, ein Tick kaltblütig und in jeder Lebenslage Sieger, bekommt die Macht des Schicksals zu spüren: Krebs in fortgeschrittenem Stadium. Es bleiben ihm noch wenige Monate und er nutzt seine verbleibende Zeit, um Abschied zu nehmen. Seiner Frau Clara und Sohn Sam verschweigt er die Krankheit und flieht nach Venedig, sucht dort die Distanz, um seinen „Nachlass“ zu regeln. Eine kurze, heftige Affäre mit einer jungen Fotografin nimmt seinen Lauf, dessen Ende er mit kirchenfeindlichen Provokationen selbst herbeiführt. Erste Risse in Mistlers dickem Panzer, seiner Arroganz, kündigen sich mit dem Entwurf eines Abschiedsbriefes an, und spätestens bei der Wiederbegegnung mit Bella oder Bunny, bröckelt dieser vermeintliche Schutz vollends von ihm ab. Sie ist die unerwiderte Liebe seiner Jugend und wird zu seinem letzten, wirklichen Ziel. „Da siehst du es. Hier handelt es sich nicht nur um einen Fall von Sentimentalität am Lebensende. Sehr oft, sogar dann, wenn ich vollkommen darauf konzentriert war, dass alles nach meinem Plan ging, wenn ich beim Machtausüben in Hochform war, sogar dann überfiel mich quälende Sehnsucht nach einem anderen Leben...“.
Autor Louis Begley hat mit „Mistlers Abschied“ eine Frage thematisiert, die den Menschen seit jeher beschäftigt: Was würde ich tun, wenn ich nur noch wenige Monate zu leben hätte? Ein eindrücklicher Roman entstand, aus dem Englischen übersetzt von Christa Krüger, der sich nicht allein durch die nüchternen und treffenden Formulierungen vom Standart abhebt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die Dialoge, denen kein Sprechender zugewiesen wird und ohne Anführungs- und Schlusszeichen da stehen, und doch findet der Leser mühelos in die Rollen der einzelnen Darsteller hinein.
„Mistlers Abschied“ ist ein packender Roman in belebtem Ambiente!
Autorenportrait:
Louis Begley wurde 1933 in Polen geboren, studierte in den USA Literatur und Recht und lebt seit 1959 als Anwalt in New York.
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