Miss Garnet und der Engel von Venedig

Das rätselhafte Geheimnis um ein verschwundenes Gemälde

Miss Garnet und der Engel von Venedig(sl). Miss Garnet besteht darauf, „Fräulein“ genannt zu werden und es ist zu vermuten, dass sie unter ihren karierten Röcken Liebestöter trägt. Als die englische Lehrerin im Ruhestand nach dem Tod ihrer engsten Freundin Harriet beschließt, für ein paar Monate nach Venedig zu ziehen, meint sie, ihr glanzloses Leben bestens unter Kontrolle zu haben. Doch eine Lehrerin kommt nicht aus ihrer Haut und so ergibt es sich, dass sie einem Venezianischen Jungen Englisch beibringt und er ihr dafür im Gegenzug Dinge zeigt, die – wie Miss Garnet manchmal schmerzvoll feststellen muss – ihrem bisherigen Leben fehlten.

Von Seite zu Seite blüht Miss Garnet auf und vereinnahmt den Leser auf charmante Weise. Die „alte Jungfer“ – diese abwertende deutsche Bezeichnung wird der liebenswerten Person so gar nicht gerecht – wird einem immer vertrauter, und aus Miss Garnet wird Julia Garnet und dann schließlich nur noch Julia. Und wo sonst, außer in Venedig, sollte Julia Garnet auf ihre alten Tage doch noch die Liebe finden, wenn nicht in dieser Stadt.

Schon bald begegnet sie in der Lagunenstadt einem charmanten Kunsthändler, in den sie sich zu ihrer eigenen Verblüffung heftig verliebt. Carlo zeigt ihr das Venedig jenseits der Touristenpfade und führt sie in die Zauberwelt der Kunst und Religion ein. Das eine oder andere Mal kommt die spröde Miss Garnet in arge Gewissensnöte, doch immer mehr gerät sie in einen Strudel faszinierender Begebenheiten, in die der Leser ihr nahezu atemlos folgt. So nehmen die geheimnisvollen Gemälde Guardis in der Chiesa dell' Angelo Raffaele, die die Geschichte des biblischen Tobit erzählen, der seinen Sohn Tobias auf die Reise nach Medien schickt, eine immer größere Bedeutung in Julias neuem Leben ein, und je mehr Miss Garnet die Geschichte von Tobias und dem Erzengel Raphael zu entschlüsseln sucht, desto klarer wird ihr, dass ihr eigenes Schicksal mit dem der biblischen Gestalten aufs engste verknüpft ist.

Salley Vickers’ feinsinniger Roman „Miss Garnet und der Engel aus Venedig“ ist eine literarische Verbindung zwischen Psychologie und Religion. Doch auch der atmosphärisch beschriebenen Stadt Venedig, brillant von Karen Nölle-Fischer aus dem Englischen übersetzt, kann sich der Leser nicht entziehen. Ein Plan im Buch erleichtert auch Ortsunkundigen die Orientierung in der Stadt, so dass sich Julia Garnets Spuren während des ganzen Romans verfolgen lassen. Venedig, seine Kirchen und Kunstschätze werden in „Miss Garnet und der Engel von Venedig“ wundervoll lebendig, doch der religiöse Hintergrund wird nicht jedem Leser gefallen.


Wer Venedig kennt, sollte diesen Roman gelesen haben, wer es nicht kennt, wird danach hinfahren wollen!

Autorenportrait:
Salley Vickers war Universitätsdozentin für Literatur, bevor sie sich zur analytischen Psychologin ausbilden ließ. Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin befasst sie sich in Artikeln und Vorlesungen mit der Verbindung zwischen Literatur, Psychologie und Religion. Sie hat zwei Kinder und lebt in London und Bath.

Miss Garnet und der Engel von Venedig

Salley Vickers
Miss Garnet und der Engel von Venedig
Aus dem Englischen von Karen Nölle-Fischer

List Taschenbuch Verlag, München
ISBN 3-548-60346-7
320 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,95 (D) / € 9,20 (A) / sFr 15,90

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