Mein Elternhaus und Mein Onkel Hermann
Erinnerungen an die Familie Hesse
(mb). Sie passt in das Hesse-Jahr, Monika Hunnius, verwandt mit ihm und einer Familie angehörend, die Kunst und Nächstenliebe nicht nur lebte, sondern verkörperte. In „Mein Elternhaus“ begegnen wir ihrer Mutter, einer Frau von ansteckendem Lebensmut. Ihrem Vater, der sich beinahe aufopfernd für die Bedürfnisse der Armen und Verstoßenen einsetzt. Erinnerungen an eine Mädchenzeit, die 150 Jahre zurückliegt, eine Kindheit, gefüllt gleichermaßen mit Gesang und Fröhlichkeit, als mit Trübsal und Trauer. Erinnerungen an eine uns fremde Welt, eine entfernte Zeit, in einem Deutschland, das sich noch weit in den Osten erstreckte.
„Hilf, wo du helfen kannst!“ – der Leitsatz der Pastorenfamilie sollte den Tod des Familienoberhauptes noch weit überdauern. Im Hause Hunnius wurde Gastfreundschaft und Nächstenliebe hochgehalten, Gaben und Spenden für Bedürftige waren Teil des Alltags und die abendlichen Gebete gegen das Unrecht dieser Welt gerichtet. Ihre Mutter blieb der Prämisse mit fast übermenschlicher Kraft treu, und dieser Einsatz verantwortete ihren frühzeitigen Tod.
„Mein Onkel Hermann“ dann, eine Hommage an den Onkel, Hermann Hesses Großvater. Hermann Hesse selbst schreibt in der Einleitung: „Sie sind Geschwister jener Erzählungen, die ich als Kind aus meines Vaters Munde hörte, und ihr Quell und Mittelpunkt ist der alte Doktor Hesse, ist ein seltener, strahlender und guter Mensch, wie es auch damals wenige gab.“ Und noch während unsere Blicke über die Seiten wandern, wird auch in uns die Erzählung lebendig. All die lustigen und traurigen Begebenheiten in Weißenstein, immer wieder im Mittelpunkt der kleine, gemütliche, runde Onkel Hermann mit dem Schalk in den Augen. Sein Sohn Georg hatte diesen Schalk geerbt und erkor die Cousine, sehr zum Missfallen deren Mutter, als optimale Gefährtin für Georgs unerschöpfliches Potential an Streichen aus.
Fast wie eine Rückführung in unsere eigene Kindheit wirken die Zeilen. Sommer für Sommer mit Onkel Hermann, der genauso gut Onkel Karl oder Theodor sein könnte. Wir werden uns am Ende des Buches mit der Erzählerin wehmütig nach der unbeschwerten Kinderzeit zurücksehnen, denn wir sind nun mit ihr erwachsen geworden.
Die Autorin versteht ihre Figuren zum Leben zu erwecken, wie es nur wenigen gelingt.
Autorenportrait:
Monika Hunnius, geboren am 2. Juni 1858, war baltische Schriftstellerin und Sängerin. Sie starb am 31. Dezember 1934.
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Monika Hunnius |
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