Marie Hesse – Die Mutter von Hermann Hesse

Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern

(mb). Wer Hermann Hesse gelesen hat, wird ahnen, dass gerade seine Kindheit eine für ihn prägende und glückliche gewesen sein muss. Seine Mutter hinterließ der Nachwelt Tagebücher, Gedichte und Briefe, Zeitzeugen dieser Kindheit, Zeitzeugen einer anderen Epoche. Auffällig auch die Leichtigkeit, in der Marie Hesse Rückblick hält auf ihr Leben, ein Schicksal, welches nicht nur Glück und Unbeschwertheit bereit hielt.

Mit nur vier Jahren überlassen die Eltern das Mädchen einer Pflegefamilie in Basel, um selbst wieder nach Indien in den Missionsdienst zurückzukehren. Elf Jahre später folgt ihnen Marie per Kutsche und Segelschiff, begegnet auf dieser Überfahrt ihrer ersten, überwältigenden Liebe, die bereits mit der Ankunft in Indien ein tränenreiches Ende findet. Die evangelische Kirche gibt ihr Halt, es entwickelte sich ein unerschütterlicher Glauben, der in ihrem zukünftigen Leben eine entscheidende Rolle spielen sollte.
Die Tagebücher verfolgen eindrücklich die entstehende Liebe zu Charles Isenberg, dem sie bald darauf nach Indien folgt. Selbst als ihn eine schwere Lungenerkrankung heimsucht, bewahrt sie den immer wiederkehrenden Optimismus. Als er stirbt, stützt sie ein weiteres Mal ihr Glauben und hilft ihr, auch einer tiefen Depression zu entkommen.

Die Witwe Marie zieht mit den Kindern zurück in das elterliche Haus nach Calw und bewältigt ihren Kummer mit eifriger Missionsarbeit, bis sie fünf Jahre später in Johannes Hesse neues Glück und die Chance auf ein zweites Leben bekommt. Sie heiraten und „Hermannle“ wird geboren. Ein durchaus lebhaftes, dickköpfiges Kind, das für Turbulenzen im Hause Hesse sorgt. Sein Selbstmordversuch im Alter von 15 Jahren erschüttert die Familie in ihren Manifesten, sie beschreibt diese Zeit als „...die qualvollsten Stunden meines Lebens“.

Die Biographie Marie Hesses schildert nicht nur das Leben einer herausregenden Persönlichkeit, sondern vermittelt uns bildhaft die Hintergründe und Eindrücke eines anderen Jahrhunderts. Adele Gundert gelingt es in dieser Zusammenfassung, ihre Mutter für kurze Zeit auferstehen zu lassen und ein lebendiges Bild von ihr zu malen.

Autorenportrait:
Adele Gundert, die Schwester von Hermann Hesse, wurde am 18. August 1875 in Calw in Württemberg geboren. Sie war mit ihrem Vetter, einem evangelischen Pfarrer und Mitglied der „Bekennenden Kirche“ verheiratet. Sie starb am 29. September 1949 in Korntal. Die Erstausgabe ihrer Dokumentation über das Leben ihrer Mutter erschien bereits 1934.

Illustratorenportrait:
Gunter Böhmer, ein enger Vertrauter Hermann Hesses, reiste nach Calw und Basel um Schauplätze des Lebens der Familie Hesse zu zeichnen, die danach in diesem Band auch veröffentlicht wurden.

Marie Hesse  Die Mutter von Hermann Hesse

Adele Gundert
Marie Hesse – Die Mutter von Hermann Hesse
Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern
Mit einem Essay von Siegfried Greiner
Mit Lithografien von Gunter Böhmer
Insel Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-458-31961-1
261 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 10.- (D) / € 10,30 (A) / sFr 17,80

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