Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr

Hundert Briefe italienischer Kinder

Lieber Weihnachtsmann - Bitte nicht wie letztes Jahr(sl). So wie es inzwischen fast in jedem Land ein Weihnachtspostamt gibt, ist auch in Italien in Rom ein Ministerium ansässig, das Briefe an den Weihnachtsmann beantwortet. In Italien schreiben die Kinder jedoch nicht nur an den Weihnachtsmann, sondern auch an das Christkind, Sankt Nikolaus, die Heilige Lucia und die Befana, eine Hexe, die am 6. Januar durch den Kamin kommt. Das ist aber auch schon fast der einzige Unterschied, denn Kinderwünsche und -sehnsüchte ähneln sich auf der ganzen Welt, ob nun in Italien oder im deutschsprachigen Raum.

Die beiden Journalistinnen Federica Lamberti Zanardi und Brunella Schisa durften im „Weihnachtsministerium“ in den Wunschzetteln lesen und haben aus -zig Tausenden Briefen einhundert in ihrem Buch „Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr“ zusammengestellt. Dabei haben sie nicht die hundert Schönsten gewählt oder die hundert mit den witzigsten Rechtschreibfehlern, sondern Briefe, die einen tiefen Blick in italienische Kinderseelen gewähren.

„Bring die folgende Liste: Das Moderad. Dschiens für Schi, das Fahrrad, Schlitschue und ales was du findest“, wünscht sich Mirandola aus Vincenza oder Carlo aus Lecce ganz bescheiden „Zwo Schraube, für Papas Fahrad zum richten, weil er es mir nechstes jar gib“, sind Sätze, über die sich der Leser – natürlich auch wegen der Rechtschreibfehler – köstlich amüsieren kann. Aber bei einigen Briefen wird deutlich wie existenziell viele Wünsche sind, „… hätte ich gerne für meinen Opa neue Kleider, weil seine alt sind und Löcher haben. Meinem Vater dagegen bring eine Arbeit…“, oder die Bitte nach einer Sozialwohnung zeigen, dass es auch in einem europäischen Land Armut gibt. Briefe wie „Bitte, mach mir nicht den Kummer, daß es Dich nicht gibt, weil Du bist für mich die Welt und das Leben, auch wenn Du mir keine Geschenke bringst. Hauptsache, es gibt Dich“ von Rachele aus Florenz erinnern an die eigene Kindheit, als man selber noch an den Weihnachtsmann glaubte, und andere zeigen die entwaffnende Ehrlichkeit der Kinder: „Liebe Santa Lucia, ich möchte, daß du mir dieses Jahr nichts bringst, weil ich es nicht verdient habe“ schreibt Giancarlo aus Verona.

So ist „Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr“ ein Buch, in dem herzliches Lachen und nachdenkliche Betroffenheit dicht beieinander liegen, und das das Bedürfnis weckt, sich die Wunschzettel der Kinder hierzulande einmal genauer anzusehen!


Lieber Weihnachtsmann - Bitte nicht wie letztes Jahr

Federica Lamberti Zanardi und Brunella Schisa
Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr
Hundert Briefe italienischer Kinder
Diogenes Verlag, Zürich
ISBN 3-257-22948-8
6. Auflage, 176 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 14,90

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