Kulturland Baden-Württemberg
Kulturschätze und Naturschönheiten
(sl). Ministerpräsident Erwin Teufel hat zu dem Bildband „Kulturland Baden-Württemberg“ ein Grußwort geschrieben, das sich fast zur Hälfte eher wie eine Lobeshymne auf den Belser Verlag liest. Deshalb drängt sich schnell der Verdacht auf, nicht er, sondern der Verleger könnte das Grußwort geschrieben haben. Der abschließende Satz „Ein schöneres Geschenk zum 50-jährigen Landesjubiläum im Jahr 2002 hätte der Belser Verlag dem Land Baden-Württemberg nicht machen können“ zeugt außerdem davon, dass Ministerpräsident Teufel das Werk vermutlich nicht gesehen hat, denn sonst hätten ihm die zum Teil völlig überalterten und in schlechter Qualität abgedruckten Fotos auffallen müssen, die diesen abschließenden Satz revidieren: Es gibt deutlich schönere Geschenke zum Landesjubiläum – Bildbände aus anderen Verlagen.
Ein Bildband lebt nun mal von den darin veröffentlichten Abbildungen und selbstverständlich nähert man sich einem Bildband auch zuallererst einmal durch das Betrachten der Fotos – so auch dem Buch „Kulturland Baden-Württemberg“. Die Bilder aus Museenarchiven sind von guter Qualität, doch andere Aufnahmen lassen teilweise sehr zu wünschen übrig: Bilder, die aufgrund der grell übersteuerten Farben von 60er Jahre-Postkarten abgescannt zu sein scheinen, völlig veralterte Fotos aus den 70er Jahren, die sofort anhand alter Autos im Hintergrund zu identifizieren sind, und teilweise sogar unscharfe Bilder machen eigentlich keine große Lust, sich weiter mit diesem Bildband zu beschäftigen. Dafür sind die Bildunterschriften jedoch überaus detailreich.
In acht Kapiteln zieht Autor Gerd Betz Bilanz ob der reichen Überlieferung an Kulturschätzen, Naturschönheiten und Geschichtstradition des Landes Baden-Württemberg. Chronologisch spannt er den Bogen von der Urgeschichte bis zum 20. Jahrhundert. Optisch sind die umfassenden Texte gut gegliedert, die langen Kapitel in Abschnitte unterteilt, die sich anhand von roten Überschriften abheben. Inhaltlich sind die Kapitel recht „schwerlastig“, mit viel Zahlenmaterial versehen, und schnell fühlt man sich trotz der fundierten Informationen an trockenen Geschichtsunterricht in der Schule erinnert. Zu wenig lockert die Fülle an Erläuterungen auf, das Auge hat nichts, was es mal von der Buchstabenflut ablenkt.
Im Anhang des Buches „Kulturland Baden-Württemberg“ befindet sich ein wirklich umfassendes Adressverzeichnis von Verkehrsämtern und Kurverwaltungen. Dieses scheint insofern aktuell zu sein, da hier auch E-mail-Adressen und Internetseiten verzeichnet sind.
Leider ist die Enttäuschung über das mittelmäßige Fotomaterial bei diesem Bildband größer, als die Freude über die inhaltlich gut geschriebenen Seiten – schade!
Autorenportrait:
Dr. Gerd Betz, Kulturhistoriker und Landeskenner, war lange Jahre als Verlaglektor tätig und veröffentlichte zahlreiche Bände zur Natur, Kunst, Kultur und Geschichte des Landes Baden-Württemberg.
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Gerd Betz |
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