Kaffee – Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker

Drei Jahrzehnte Berliner Kaffeekultur

Kaffee - Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker(tos). Elf Beiträge von zehn Autorinnen und Autoren nehmen in diesem von Peter Lummel herausgegebenen Sammelband, der anlässlich der Ausstellung „Kaffee – Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker“ in Berlin erschienen ist, das beliebteste Getränk der Deutschen unter die Lupe: den Kaffee. Vier Tassen trinkt jeder Bundesbürger im Schnitt davon täglich.

Ulla Heise fasst in ihrem geschichtlichen Überblick den Siegeszug des Kaffees zusammen. Susanne Keunecke berichtet von der Konsumsteuer, die der König auf das neue Modegetränk erließ und von der Bekämpfung des Kaffeekonsums unter Friedrich II. Kaffeeriecher hatten die Aufgabe, die Einhaltung des Röstverbots in den privaten Haushalten zu kontrollieren, denn der Kaffeeschmuggel blühte.

Peter Lummel schildert anschaulich die Entwicklung der Kaffeehäuser in Berlin. Er geht vor allem auf das „Café Bauer“ ein, Berlins glanzvollstes Café mit Gesellschafts- und Spielsaal, Galerieräumen, einem Billard- und Lesezimmer sowie einem Damenzimmer. Großcafés mit Platz für bis zu 2.500 Besucher entstanden im Kaiserreich in Berlin. In den 20er Jahren hatte das Künstlercafé, allen voran das so genannte „Café Größenwahn“, seinen Höhepunkt erreicht. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete die Berliner Kaffeehauskultur. Heute, so urteilt Peter Lummel, „scheint die vereinte Stadt Deutschlands Caféhauptstadt zu sein“.

Bettina Biedermann berichtet über den Kaffeegenuss im Grünen. Ulrike Thoms weist darauf hin, dass der Kaffee der Vorstellung vom Menschen als Maschine entgegenkam. Machte er doch möglich, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter unter schlechten Arbeitsbedingungen ihre körperlichen Kräfte mobilisieren konnten. Keith R. Allen untersucht den Reiz des Fremden in der Kaffee-Werbung. Auch geht er auf die Werbekampagnen für den neuen entkoffeinierten Kaffee ein.

Der Bedeutung des Ersatzkaffees geht Joachim Mähnert in seinem Beitrag nach. Der „Muckefuck“ war früher keineswegs verpönt, im Gegenteil: Gerade der Ersatzkaffee „hat den Erfolg des Originals erst weitgehend möglich gemacht“. Schließlich war er von den einfachen Leuten auch bezahlbar. Ersatzkaffee lässt sich aus mehr herstellen, als man denkt: Fast alle Getreidesorten, Knollengewächse wie Zichorie, aber auch Karotten, Kartoffeln, Rote Beete, Löwenzahnwurzeln, Pfirsich- und Kirschkerne, Kastanien, getrocknete Äpfel und vieles mehr eignen sich dazu. In Bioläden finden sich heute wieder einige Ersatzkaffees. Seine Blütezeit ist freilich längst vorbei.

Auf die Unterschiede in Ost und West geht Jürgen Schmidt ein. Nach der „Kaffeekrise“ am Ende der 70er Jahre gab es in der DDR nur noch zwei Kaffeemarken: „Rondo“ und „Manda“. Im Gegensatz zum Westen wurde der Kaffee im Osten teurer. Kein Wunder, dass in dieser Zeit Geschenksendungen 18 Prozent des Kaffeegesamtverbrauchs der DDR ausmachten.

Das Verhältnis der Philosophen und Künstlern zum Kaffee betrachtet Ulla Heise als ein freundschaftliches. Wenn auch nicht jeder Künstler und Literat so viel Kaffee wie Honoré de Balzac trank, dem ein Kaffeekonsum von täglich 40 bis 60 Tassen nachgesagt wird.

Bilder von Bettina Keller zeigen Berlins heutige Caféwelt vom „Café Einstein“ bis zum Café im Auswärtigen Amt. Marion Thielebein hat sich der Geste des Kaffeetrinkens angenommen und stellt fest, dass das Kaffeetrinken einiges über den Menschen aussagen kann. Eine Chronologie der Berliner Kaffeegeschichte rundet den Band ab.

Mit seinen gut und lebendig geschriebenen Beiträgen und den reichhaltigen Illustrationen gelingt es dem Buch „Kaffee – Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker“ überzeugend, das Berliner Kaffeeleben in Vergangenheit und Gegenwart vorzustellen!

Autorenportrait:
Peter Lummel wurde 1961 in Schweinfurt geboren und studierte in Würzburg, Heidelberg und Urbino in Italien Geschichte und Klassische Archäologie. Danach Fernstudium zum Kulturmanager an der Fern-Universität Hagen. Er arbeitet seit 1990 als Museumswissenschaftler und Museumspädagoge in Kassel und Berlin. Seit 1995 leitet er das Freilichtmuseum Domäne Dahlem in Berlin und beschäftigt sich insbesondere mit der Kulturgeschichte des Essens.

Kaffee - Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker

Peter Lummel (Hrsg.)
Kaffee – Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker
Drei Jahrzehnte Berliner Kaffeekultur
Bebra Verlag, Berlin
ISBN 3-930863-91-X
120 Seiten, mit 70 Abbildungen, Hardcover gebunden, Format 17 x 21 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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