Kaffee und Kaffeehaus
Die Geschichte des Kaffees
(ts). Die ersten Nachrichten über ein neues schwarzes Getränk treffen in Europa Mitte des 16. Jahrhunderts ein. Inzwischen ist der Kaffee das zweitwichtigste Welthandelsprodukt direkt nach dem Erdöl. Erst mit der Machtentfaltung des Osmanischen Reiches kam der Kaffee nach Europa. Zunächst waren es Gewürzkrämer und Spezereihändler, die den Kaffee feilboten. Importiert wurde er aus dem Südjemen. Erst ab 1752 hat man in Brasilien Kaffeeplantagen angelegt. Während es 1780 noch 65.000 Tonnen Kaffee waren, die im Jahr in Europa verbraucht wurden, waren es um 1850 bereits 294.000 Tonnen und über eine Million Tonnen bereits kurz nach 1900.
Doch bald erkannte der Staat die neue Möglichkeit, Steuern zu erheben und Kaffee wurde zum Luxusgut. Seit 1766 war die Einfuhr von Kaffee dem Staatsmonopol vorbehalten. Bereits 1787 wurde das Handelsverbot wieder aufgehoben, da es sich nicht wirkungsvoll kontrollieren ließ und dem Kaffeeschmuggel nicht beizukommen war.
Der Kaffee, urteilt Autorin Ulla Heise in ihrem Buch „Kaffee und Kaffeehaus“, konnte sich ob seiner anregenden Wirkung so weit ausbreiten, da er schnell zubereitet werden kann, aber auch, da er durch Surrogate „verlängert“ oder gar ersetzt werden kann. Da Deutschland zunächst keine Kolonien hatte, bekam die Kaffee-Ersatzproduktion eine hohe Bedeutung. Zugleich mussten sich die Gerichte mit dem Vorwurf der „Kaffeeverfälschung“ auseinander setzen, denn wie viel des Kaffees aus echten Kaffeebohnen und wie viel Surrogate beigefügt wurden, ließ sich nur schwer feststellen.
Der Kaffee brachte einige neue Haushaltsgeräte mit sich: Röstpfannen und -trommeln, Kaffeemaschinen und Kaffeegeschirr. Den Kaffee trank man zunächst noch aus einer Schale, erst später setzte sich die Henkeltasse durch und es wurde unfein, den Kaffee aus der Untertasse zu trinken. Als es dem Kaffee gelang, die übliche morgendliche warme Suppe zu ersetzen, war er das Alltagsgetränk schlechthin geworden, zumindest am Sonntag trank jeder Bauer seinen Kaffee. So blieb der Oberschicht nach 1800 für einige Jahrzehnte nichts anderes übrig, als wieder den Tee zum Modegetränk zu küren und Heinrich Heine konnte in seinem Buch der Lieder über diese eigentümliche Gesellschaft spötteln: „Sie saßen und tranken am Teetisch...“. Selbst Heinrich Heine besuchte in Berlin gerne die Kaffeehäuser. Ulla Heise widmet ihnen, den Kaffeehäusern, den zweiten Teil ihres Buches.
1683 wurde in Wien die erste Kaffeeschankstätte eröffnet. Der französische Begriff Café bürgerte sich erst im 19. Jahrhundert für die Kaffeehäuser ein. Ulla Heise beschreibt die verschiedenen Kaffeehaustypen, die Einrichtung von den Stühlen bis zu den Spiegeln. Eigentlich, schreibt sie, sei das Kaffeehaus nichts anderes als eine Taverne oder Schenke immer sei es auch Treffpunkt der unteren Schichten gewesen. Freilich kamen die nicht unbedingt in die gutbürgerlichen, sondern in die kleinen, deren Namen niemand mehr kennt. Das Kaffeehaus war auch nicht allein der Ort, an dem sich die Literaten trafen. Künstler und Kritiker trafen sich dort ebenso wie Gelehrte und Journalisten. Man konnte Klaviermusik ebenso lauschen wie man Schach, Billard oder Karten spielen konnte. Und dies ist bis ins 21. Jahrhundert so geblieben.
Ulla Heise ist mit ihrem Buch „Kaffee und Kaffeehaus“ ein kurzweiliges Sachbuch gelungen, das fundiert und zugleich lebendig die Geschichte des Kaffees von den Anfängen bis in die Gegenwart beleuchtet. Es zu lesen ist ein Genuss ob zuhause oder im Café.
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Ulla Heise |
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