Herr der Diebe
Ein spannendes Abenteuer in Venedig
(sl).
Obwohl „Herr der Diebe“ ein Roman für Kinder ab zehn Jahren
ist, werden insbesondere Erwachsene die leisen Zwischentöne besser erfassen
können, geht es in dem Buch doch hintergründig um das Erwachsenwerden
und Kindbleiben-wollen. Die Geschichte ist außergewöhnlich und ebenso
der Ort ihres Geschehens: Venedig, die Stadt des Mondes, der geflügelten
Löwen und verwunschenen Plätze, der Kanäle und Brücken.
Nach dem Tod ihrer Mutter flüchten die beiden Brüder, der zwölfjährige Prosper und der fünfjährige Bo, in die Stadt der Gondeln. Sie sollten getrennt werden, denn ihre Tante Esther, die so schrecklich nach Haarspray stinkt, möchte nur den niedlichen Bo bei sich aufnehmen, während Prosper ins Internat soll. So fahren sie von Hamburg in das herbstliche Venedig, in die Stadt, die ihre Mutter so liebte und von der sie ihnen immer so viel erzählte. Durch Zufall lernen sie eine Kinderbande kennen, die sie in ihrem „Sternenversteck“ aufnimmt, das in einem verlassenen Kino abseits der Touristenpfade liegt. Der Anführer der Bande, ein Junge namens Scipio, dessen Herkunft keiner kennt, hält die Kinder mit Gelegenheitsdiebstählen an unaufmerksamen Touristen über Wasser. Scipio ist der einzige der Bande, der nicht in dem Versteckt haust. Er kommt und geht unbemerkt, trägt eine schwarze Maske und hochhackige Stiefel, mit denen er versucht, sein Alter von zwölf Jahren zu kaschieren, und nennt sich der „Herr der Diebe“.
Tante Esther, die Prosper und Bo in Venedig vermutet, reist an, um den besten Detektiv der Stadt zu beauftragen: Victor Getz. Doch bevor dieser die Kinder aufspürt, vermittelt Trödelladenbesitzer Ernesto Barbarossa, an den sie regelmäßig ihre gestohlenen Sachen verkaufen, dem Herrn der Diebe einen großen Auftrag. Ein geheimnisvoller Conte bittet darum, den hölzernen Flügel eines Löwen zu stehlen und will dafür fünf Millionen Lire zahlen. Die Kinder suchen gemeinsam mit Scipio den abgebrochenen Flügel, Victor Getz wiederum Prosper und Bo, und so beginnt eine atemlose Jagd durch die engen Gassen und über die Kanäle Venedigs... .
Ihr Licht schlummerte lange im Schatten Astrid Lindgrens, doch seit dem Tod
der berühmtesten Kinderbuchautorin, ist Cornelia Funke der neue Liebling
der deutschsprachigen Kinderliteratur – und das zu Recht! Mancher verglich
sie und ihren „Herr der Diebe“ schon mit Joanne K. Rowling und „Harry
Potter“ – zu Unrecht! Denn Cornelia Funke ist schlicht besser, ihr
Roman sowieso, was nicht nur die zahlreichen internationalen Auszeichnungen
beweisen, unter anderem auch die Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Cornelia Funke schafft es, den Spannungsbogen gekonnt aufzubauen, wobei die dazwischen platzieren Längen einen zu Atem kommen lassen. Die kleinen aber feinen Illustrationen von Venedig hat die Autorin selbst gezeichnet. Der „Herr der Diebe“ hat Sogwirkung, ist derart phantasievoll und so faszinierend erzählt, dass man sich insgeheim wünscht, die Geschichte wäre wahr. In keine andere Stadt hätte dieser Roman besser gepasst als nach Venedig, in die Stadt, die schon von sich aus etwas wundervoll-mystisches an sich hat.
Gerade Jugendliche, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, können sich gut mit Scipio identifizieren, der in einem kindlichen Köper steckt und sich doch nichts sehnlicher wünscht, als endlich erwachsen zu sein. Erwachsene Leser – und hierbei sei das Buch insbesondere Venedig-Liebhabern empfohlen – werden sich an Kindertage zurückerinnern und mit glühenden Wangen Prosper und Bo, Scipio und den anderen Kindern durch die Stadt des Mondes und der geflügelten Löwen folgen, um das Geheimnis, das der abgebrochene Löwenflügel verbirgt, zu lösen. Im Anhang sind die verwendeten italienischen Ausdrücke übersetzt und ein Stadtplan Venedigs zu sehen, in dem die Orte der Handlung eingezeichnet sind.
Ein Buch für die ganze Familie – wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind mit der Taschenlampe unter der Decke den „Herr der Diebe“ verschlingen wird, machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihre Familie in den nächsten Ferien unbedingt nach Venedig will, und seien Sie erst recht nicht darüber erstaunt, wenn Ihr Mann plötzlich bei jeder Gelegenheit Kinderkarussell fahren möchte!
Autorenportrait:
Cornelia Funke wurde 1958 in Dorsten/Westfalen geboren. Sie absolvierte in Hamburg
eine Ausbildung zur Diplom-Pädagogin und arbeitete drei Jahre lang als
Erzieherin. Parallel dazu studierte sie an der Kunstfachhochschule für
Buchillustration. Zunächst arbeitete sie ausschließlich als Illustratorin
für Kinderbücher, bevor sie begann zu schreiben. Viele ihrer Bücher,
wie „Tintenherz“
und „Tintenblut“,
illustriert sie selbst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg.
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