Gewissen der Welt
Ein prophetisches Dokument von Pabst Johannes Paul II.
(tos).
Die wichtigsten Texte des Papstes Johannes Paul II. sind in dem Buch „Gewissen
der Welt“ gebündelt. Nichts Neues ist darin zu lesen: alle abgedruckten
Texte sind als Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls bereits erschienen.
Warum also dieses Buch? Ulrich Ruh, der die Textauswahl besorgte, verweist darauf,
dass die Jahresbände der Verlautbarungen des Papstes oft über tausend
Seiten umfassen. Da tut eine charakteristische Auswahl an Texten Not. Ulrich
Ruh hat sich dabei auf die Wirksamkeit des Papstes nach außen konzentriert
und nicht auf seine Rolle als Oberhirte der katholischen Christenheit. Ausgespart
ist aber auch die Auseinandersetzung mit der protestantischen Kirche, etwa um
die Rechtfertigungslehre.
Was sind die zentralen Themen, denen sich Johannes Paul II. besonders angenommen hat? Was ist die Grundbotschaft des Papstes? Einen „christozentrischen Humanismus“ hält Ernst-Wolfgang Böckenförde, der eine Einführung für das Buch beisteuerte, für den zentralen theologischen Ansatz des Papstes. Und so beginnt das Buch „Gewissen der Welt“ folgerichtig mit der Einforderung der Menschenwürde. Fortschritt, so Johannes Paul II., müsse sich daran messen lassen, ob er das Leben menschenwürdiger mache. Mit der Menschenwürde verbunden ist das Recht auf Leben und die ablehnende Haltung des Papstes zur Abtreibung. Der Schutz des Lebens kann keine Kompromisse zulassen. Auch die Religionsfreiheit zählt das Oberhaupt der katholischen Kirche zu dem, was die Würde des Menschen ausmacht. Die Religionsfreiheit hat Johannes Paul II. ohne Einschränkung eingefordert auch für andere Religionen. Von der Idee eines christlichen Staates ist er zu Gunsten eines neutralen Staates, der alle Religionen gleich behandelt, abgerückt.
Eindringlich wirken die Texte, in denen der Papst sich für eine gerechte Wirtschaftsordnung einsetzt und die Eigentumsverteilung vor allem in den lateinamerikanischen Ländern scharf kritisiert. Auch Armut kann die Würde des Menschen verletzen. Unbeirrt von der gegenwärtigen Globalisierung prangert er die Defizite des Kapitalismus an und setzt ihm Grundsätze einer gerechten Wirtschaftsordnung entgegen.
Eine klare Absage erteilt der Papst Krieg und Gewalt: „Das Böse ist niemals ein Weg zum Guten!“ Stattdessen ruft er zu Versöhnung und zu gewaltfreiem Widerstand auf. Innig engagierte er sich für den Frieden in der Welt. Als Beleg hierfür sind die beiden Telegramme an George Bush und Saddam Hussein vor Beginn des Golfkriegs abgedruckt, in denen er die beiden Präsidenten zum Dialog aufruft. Den Dialog versuchte der Papst auch im Verhältnis zu den anderen Religionen umzusetzen. Das Titelbild des Bandes, das den Papst an der Jerusalemer Klagemauer zeigt, zeugt davon.
Mit der Mischung von charakteristischen Textausschnitten aus Enzykliken, Weltfriedensbotschaften, Ansprachen und Predigten vermochte es Herausgeber Ulrich Ruh, in dem Buch „Gewissen der Welt“ ein klares Bild von der Grundbotschaft und den zentralen Anliegen des Papstes zu zeichnen. Es ist das Bild eines unermüdlichen Kämpfers für eine brüderliche, gerechtere Welt.
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