Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte

Pikante Episoden und köstliche Rezepte

Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte(ts). „Wir nahmen zu mehreren Platz, da wurde als erster Gang schon aufgetragen Mandelmilch und Suppe, in der aufgeweichtes frisches Weißbrot in kleinen Brocken schwamm, als zweiter Gang frische Fische, gesotten, als dritter Gemüse mit gebackenen Forellen; als vierter Suppe von ausgelösten Krebsen in Wein mit Gewürznelken versetzt“ – dieses Festmahl, das aus insgesamt zehn Gängen bestand, ist in der Schilderung von Paolo Santonino überliefert. Das Festessen wurde zu Ehren des Bischofs Pietro Carlo abgehalten, der 1485 bis 1487 in Begleitung von Paolo Santonino auf drei Pastoralreisen war. Nun war nicht jeder Bischof geschweige denn jeder Kirchenmann ein Genießer und nicht jeder ließ sich derartig verwöhnen. Manch einer wetterte gegen die Völlerei und legte den Gläubigen das Fasten ans Herz. Josef Imbach hält sich aber in seinem Buch „Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte“ an die, welche das Maßhalten empfehlen.

Was Josef Imbach sonst noch zu Küche und Kirche weiß, ist ein buntes Sammelsurium an Anekdoten, Wissenswertem und Humorvollem, mit zahlreichen historischen Abbildungen geschmückt. So erfährt der Leser, warum die Martinsgans „Martinsgans“ und die Jakobsmuscheln „Jakobsmuscheln“ heißen. Ebenso berichtet der Schweizer Theologe vom Lieblingsgericht Johannes Paul II., Wodkanudeln, und lässt natürlich die Geschichte von Bierbrauerei und Weinkellnerei nicht außer Acht, gebe es doch keine Weingeschichte ohne die Mönche!

Apropos Mönche: „Klosterkost ist nicht gleich Klosterkost“, weiß der Schweizer Theologe, eine typische Klosterküche gebe es nicht. Und so gibt es auch keine charakteristischen Gerichte, die den Mönchen aufgetragen wurden. In manchen Klöstern gab es nur karge Mahlzeiten, andere Mönche hingegen verspeisten gleich mehrere Gänge. So unterschiedlich wie bei den Mönchen sah auch der Speisezettel der Bischöfe aus. Und auch die päpstliche Küche wechselte ihre Gerichte von Papst zu Papst.

Folglich kann es auch keine kirchliche Küchengeschichte geben, viele interessante Kirchen- und Küchengeschichtchen sind dafür in dem Buch versammelt. Die eingefügten Rezepte sind teilweise mittelalterlichen Rezeptbüchlein entnommen, zum Teil stammen sie aber auch aus Kochbüchern unserer Zeit – oder wie die Weihnachtskonfitüre direkt von des Autors Cousine Lisbeth. Auch die vielen kleinen Episoden, die Josef Imbach gesammelt hat, schwanken zwischen Mittelalter, Reformation und Gegenwart. Ebenso wenig hält sich der Autor strikt an kirchliche Genüsse. Beim Versuch, „Dinner for one“ nachzukochen, zeigt sich dies am augenfälligsten. Natürlich darf auch das Leibgericht des Küchenchefs nicht fehlen: „Medaillons vom Rindsfilet an Peperonisoße“. Zudem kocht Josef Imbach gerne mit Feigen – die werden nicht nur in der Bibel häufig erwähnt, Josef Imbach ist zudem stolzer Besitzer eines Feigenbaumes. Man muss es ja nicht handhaben wie der Einsiedler Hilarion, dessen einzige Nahrung 15 Feigen am Tag waren.

Autorenportrait:
Josef Imbach, geboren 1945, ist Schweizer Theologieprofessor und begeisterter Koch.

Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte

Josef Imbach
Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte
Pikante Episoden und köstliche Rezepte
Patmos Verlag, Düsseldorf
ISBN 3-491-70357-3
208 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag.
Unverbindliche Preisangabe: € 24,90 (D) / € 25,60 (A) / sFr 42.-

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