Émile Zola
Umfangreiche Biografie zum 100. Todestag
(sl).
Als der französische Schriftsteller am 29. September 1902 tot in seiner
Wohnung in Paris aufgefunden wurde, trauerte eine ganze Nation. Doch nicht immer
war Émile Zola so beliebt gewesen. Im Gegenteil: Der Franzose galt zeitlebens
als unbequemer Zeitgenosse. Der Autor, der Frankreich und der Welt ein beachtliches
Romanwerk hinterließ, ist trotzdem – ein Jahrhundert nach seinem
Tod – vielen nur noch aus den Geschichtsbüchern bekannt. Denn Émile
Zola löste 1894 einen Skandal aus, die sogenannte Dreyfus-Affäre.
Nicht nur diese Affäre ist Gegenstand der neuen Zola-Biografie, auch allerhand unbekanntes fördert die Autorin Veronika Beci zutage. Anlässlich des 100. Todestages von Émile Zola legt sie die erste gleichnamige Biografie seit über 20 Jahren vor. Ein beachtenswertes Werk, das sich auf umfangreiche Forschungen stützt. Leichtfüßig wie ein Roman geschrieben und doch atmosphärisch dicht, erzählt die Autorin chronologisch und lückenlos das spannende Leben des Franzosen, als wäre sie selbst dabei gewesen.
Émile Zola, am 2. April 1840 in Paris geboren, der als Journalist seine Karriere begann, bevor er beschloss Berufsschriftsteller zu werden, machte von sich reden, als er anfing, parallel zum Schreiben seiner Romane, das politische Zeitgeschehen in Frankreich öffentlich in Frage zu stellen. Er engagierte sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde, was in der Dreyfus-Affäre und einem mehrmonatigen Exil in England gipfelte.
Doch der Mann, der sich so inbrünstig für die Wahrheit einsetzte, tat dies nicht im Privaten. Jahrelang führte er ein Doppelleben, betrog seine Frau Alexandrine mit Jeanne Rozerot. Ein Mann zwischen zwei Frauen, die gegensätzlicher nicht sein konnten, und ohne die er nicht leben wollte: Alexandrine, die Ehefrau, herrisch und streng, Jeanne, die Geliebte, sanft und zärtlich. Seine Ehe blieb kinderlos, doch mit seiner Geliebten hatte er zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Seine Ehefrau kam 1891 durch einen anonymen Hinweis hinter die Affäre. Nach einem Tobsuchtanfall, bei dem sie in Jeannes Wohnung eindrang und dort die Einrichtung demolierte, fügte sich die Ehefrau dem Wunsch Émile Zolas, sich nicht scheiden zu lassen. Fortan arrangierte er sein Leben neu: „Der Morgen gehört der Arbeit, der Nachmittag dem gedeckten Kaffeetisch bei seiner kleinen Familie, der Abend seiner Frau und gesellschaftlichen Auftritten.“
Émile Zolas früher Tod, mit nur 62 Jahren, war ein Unglücksfall. Er starb an einer Kohlenmonoxydvergiftung, weil im Kamin vergessene Glut nicht vollständig abzog. Trotz dieser Tatsache verstummten die Gerüchte nie, Émile Zola wäre wegen seiner politischen Äußerungen ermordet worden.
Ein Stück französischer Historie, ein Stück Literaturgeschichte
und ein interessanter, politisch geprägter Lebenslauf sind in der Biografie
„Émile Zola“ zu einer abwechslungsreichen wie spannenden
Lektüre verarbeitet worden!
Autorenportrait:
Veronika Beci, aus Düsseldorf stammend, ist Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin
und promovierte Musikologin. Ihr wichtigstes Aufgabenfeld ist die Untersuchung
des Verhältnisses von Kunst und Literatur zur politischen Macht. Sie ist
außerdem Autorin der Biografie „Franz
Schubert – Fremd bin ich eingezogen“ und lebt in Münster.
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