Der talentierte Mr. Ripley
Ein mörderischer Sommer in Italien
(mkb).
„Tom warf den Zementblock über Bord. Es macht ksch-plong, als
er in das durchsichtige Wasser fiel, einen blasigen Strudel hinter sich herziehend,
dann verschwand er, sank und sank, bis sich das Seil um Dickies Knöchel
straffte, und da hatte Tom bereits die Knöchel über Bord gehoben und
zog nun an einem Arm, um den schwersten Teil des Körpers, die Schultern
über Bord zu heben.“ Tom Ripley führt das Leben eines Kleinkriminellen,
vom Schicksal kaum beachtet, bis der Zufall ihn mit dem Schiffswerftbesitzer
Greenleafe, dem Vater eines ehemaligen Bekannten, Richard, bekannt macht. Er
bittet Tom, seinen Sohn in Mongibello, einem italienischen Fischerdorf, aufzuspüren
und ihn davon zu überzeugen, dass er nach Hause zurückkehren sollte.
Tom macht sich auf die Reise, begegnet Richard, genannt Dickie, und in nur kurzer
Zeit verbindet sie ein enges Band der Freundschaft. Tom teilt mit Dickie Haus
und Geld, führt mit ihm ein sorgloses Leben. Das Happy End scheint nahe,
bis Tom sich in seinem widersprüchlichen Wesen verfängt, überall
Intriganten vermutet und Dickie ihn schließlich bittet, aus seinem Haus
auszuziehen und in die Staaten zurückzukehren da nimmt in Tom ein
mörderischer Plan Gestalt an.
Patricia Highsmith konfrontiert den Leser geschickt mit der einsamen, verworrenen Seele des Tom Ripley, die man bald als seine eigene zu erkennen glaubt. Zum Zeitpunkt des Mordes wird der Leser zum Komplizen, glaubt selbst, dies sei der einzige Weg aus dem Tal der Finsternis. Toms Albträume beherrschen auch ihn und als Tom dann Dickies Identität annimmt, wird der Leser in einen weiteren Mord verwickelt, der genauso unvermeidbar wird wie der erste. Mit der Ankunft des Detektivs aus den USA, der den Fall aufklären soll, schwankt der Leser bereits zwischen Zuversicht und Angst, auch selbst als Mörder entlarvt zu werden.
Es sind Hunderte von Puzzleteilchen, die Patricia Highsmith zusammenfügt, bis eine Art psychologisches Gutachten des Mörders vorliegt. Eines Mörders, der mühelos in die Rolle des Toten schlüpfen kann, dessen Identität und die seine eins geworden sind. „Der talentierte Mr. Ripley“, 1955 bereits erstmals erschienen, wurde neu aus dem Amerikanischen von Melanie Walz übersetzt, und erhielt unter anderem den „Edgar-Allan-Poe-Preis“ zu Recht: Patricia Highsmith beherrscht die Kunst, den Leser in der Spannung zu fesseln und lässt ihn erst wieder los, als die letzten Worte noch in ihm nachklingen.
Das Buch wurde bereits zwei Mal verfilmt: 1960 unter dem Titel „Nur die Sonne war Zeuge“ mit Alain Delon in der Hauptrolle und ein erfolgreiches Remake im Jahr 2000 unter dem Titel „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon in der Titelrolle.
„Der talentierte Mr. Ripley“ ist ein packender Roman, der sich in jeder Hinsicht lohnt!
Autorenportrait:
Patricia Highsmith wurde am 19. Januar 1921 in Fort Worth/Texas geboren und wuchs in Texas und in New York auf. Studium der Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten an der High-School, erster Lebensunterhalt als Comictexterin, erster Erfolg 1950 mit ihrem Romandebüt „Zwei Fremde im Zug“, dessen Verfilmung durch Alfred Hitchcock sie weltberühmt machte. Patricia Highsmith starb am 4. Februar 1995 in Locarno und wurde in Tegnal im Tessin beerdigt.
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