Der letzte Flug des kleinen Prinzen
Im Funkkontakt mit Saint-Exupéry
(emk).
„Der kleine Prinz“ unsterblich. Eine Figur der Weltliteratur.
Sein Schöpfer, Antoine de Saint-Exupéry, ist mit ihm unsterblich
geworden. Legenden rankten sich bisher um den Tod des Dichters und Piloten Saint-Exupéry,
dessen Flugzeug in den letzten Kriegstagen plötzlich vom Himmel verschwand
und nie gefunden wurde, ebenso wie in der Geschichte der kleine Prinz plötzlich
verschwindet, ohne dass sein Freund, der Pilot, seinen Körper gefunden
hätte.
Jetzt taucht da plötzlich Jemand auf, der Zeuge der letzten Stunden Saint-Exupérys gewesen ist, weil er im Zweiten Weltkrieg in einem Kampfflugzeug über dem Atlantik in Funkkontakt zu ihm stand. Es ist der deutsche Pilot Wilhelm von Stadde, der nach fast 50 Jahren sein Schweigen bricht und dem Autoren dieses Buches, Jean-Pierre de Villers, über den „letzten Flug des kleinen Prinzen“ erzählt. Von Stadde hatte den Auftrag, das Flugzeug des französischen Piloten Saint-Exupéry abzuschießen.
In einer Art Lebensbeichte berichtet der Ich-Erzähler über seinen Einsatz 1944 in Südfrankreich. Er nimmt Kontakt zu dem feindlichen Flugzeug auf und freut sich, als dessen Pilot ihm bestätigt, dass er der berühmte Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry ist. Die aus dem Dialog wörtlich wiedergegeben Sätze in französischer Sprache werden im Text leider nicht übersetzt. Über Funk entsteht bei weiteren Flügen eine Freundschaft zwischen den beiden feindlichen Piloten, denn von Stadde hat den „Kleinen Prinzen“ gelesen und hegt eine tiefe Verehrung für den Dichter. Aber auch der kleine Prinz ist beteiligt: Es gibt fiktive Gespräche zwischen ihm und Saint-Exupéry, die der Deutsche mithört. Am Ende fleht der kleine Prinz gar den deutschen Piloten an, seinen Freund zu verschonen. Spätestens hier fragt man sich, was Dichtung und was Wahrheit ist.
Bei der Wiedergabe der Unterhaltungen zwischen Saint-Exupéry und dem kleinen Prinzen in wörtlicher Rede bemüht sich der Verfasser Jean-Pierre de Villers, die Poesie in der Sprache Antoine de Saint-Exupérys zu wiederholen. Die Gespräche drehen sich um die Rose des kleinen Prinzen und die Rose Saint Exuperys, Consuelo. Sie könnten so auch in dem Buch „Der kleine Prinz“ gestanden haben. Auch die Illustrationen, die Dithmar Reichert zu dem „Letzten Flug des kleinen Prinzen“ beigetragen hat, sind den Zeichnungen Antoine de Saint-Exupérys zu seinem „Kleinen Prinzen“ sehr ähnlich.
„Der letzte Flug des kleinen Prinzen“ erschien zuerst in Kanada, übersetzt wurde das nur 94 Seiten umfassende Werk von Damaris Müller. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Consuelo de Saint-Exupéry aus ihren Memoiren, die bei ihrem Erscheinen schon zur Desillusion über das Leben von Saint-Exupéry beitrugen. Jetzt, wo Jean-Pierre de Villers mit dieser Neuerscheinung noch etwas von dem Mythos wegnimmt, der den Dichter umgab, muss der Leser selbst entscheiden, ob er sich „seinen“ Antoine de Saint-Exupéry, wie er ihn aus seinen Büchern kennt und den kleinen Prinzen mit seinem geheimnisvollen Verschwinden so bewahren will oder den hier geschilderten Fakten um beider Tod Glauben schenken möchte.
„Der letzte Flug des kleinen Prinzen“ ist manchmal nüchtern wie ein Tatsachenbericht und manchmal phantasievoll wie eine mögliche Fortsetzung der Geschichte vom „Kleinen Prinzen“ geschrieben der Autor Jean-Pierre de Villers hätte sich für eine der beiden Formen entscheiden sollen.
Autorenportrait:
Jean-Pierre de Villers ist Professor für Literatur der Moderne an der University
of Windsor, Ontario, Kanada. Er schrieb die dramatische Geschichte des deutschen
Piloten auf, so wie dieser sie ihm selbst erzählte.
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Jean-Pierre de Villers Aus dem Kanadischen
von Damaris Müller |
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