Der Dichter
Märchen, Erzählungen und Gedichte
(tj) „Der Dichter“, so heißt die zentrale Erzählung von Hermann Hesse in dieser Hörbuch-Zusammenstellung, beschreibt den langen und entbehrungsreichen Weg, den der chinesische Dichter Han Fook erst gehen muss, bevor er die Kunst beherrscht, das scheinbar Schlichte zu sagen, dem Zuhörer aber die Seele damit aufzuwühlen, wie der Wind die Wasseroberfläche. Der öffentlichkeitsscheue Hermann Hesse hat nur diese Erzählung für den Rundfunk gelesen, gibt damit aber tiefen Einblick in sein eigenes künstlerisches Ringen und letztlich auch in das Geheimnis seines Erfolges.
Gleiches gilt für die folgenden Jahreszeitengedichte, in denen es bildlich spielerisch und leicht vom „Frühlingstag“ bis zum „September“ um den unaufhaltsamen Lauf der Zeit geht.
Den Schluss bilden zwei von Siemen Rühaak, bekannter Schauspieler und Grimme-Preisträger, vorgetragene Stücke: Die Erzählung „Der Wolf“ von 1902 greift dem viel später entstandenen Steppenwolf thematisch vor. Im Brief an einen Kommunisten, entstanden 1931, zeigen sich wieder andere Facetten von Hermann Hesses Weltbild: Sein tiefes Einfühlungsvermögen für jede leidende Kreatur ist ebenso tragend, wie die Unbestechlichkeit seiner Zeitkritik, die einer überparteilichen Position entspringt.
Lesen und Hören sind zwei verschiedene Vorgänge. Die zunehmende Beliebtheit der Hörbücher lässt sich daraus erklären, dass der Autor fühlbarer und berührbarer wird. Dies umso mehr, wenn der Autor selber vorträgt. Wer Hesses Stimme das erste Mal hört, wird überrascht sein von dem volkstümlichen Charakter seiner vom Alemannischen gefärbten Stimme, steht sie doch im Kontrast zu den bekannten Fotografien Hermann Hesses, auf denen der Dichter weit entrückt in noch weitere Ferne zu schauen scheint.
Für alle Freunde von Hermann Hesses Werk stellt diese Ausgabe eine schöne Ergänzung zum geschriebenen Werk des Dichters dar!
Autorenportrait:
Hermann Hesse, 1877 im schwäbischen Calw geboren, sollte eigentlich wie seine Vorfahren Theologe werden. Doch er entfloh, fünfzehnjährig, dem Seminar in Maulbronn, um „entweder Dichter oder gar nichts“ zu werden. Weder die Einlieferung in eine Nervenheilanstalt durch seine Eltern, noch eine Schlosserlehre und der Versuch als Buchhändler brachten ihn von seiner Bestimmung ab. 1904 schreib er seinen ersten Roman. Geprägt von indischem, konfuzianischem und taoistischem Denken entstanden in Folge Gedichte, Erzählungen und Romane. Hermann Hesse wurde mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Am 9. August 1962 starb er in Montagnola, Tessin. Bis heute ist Hermann Hesse der meistgelesene deutsche Autor weltweit, besonders bekannt ist sein Werk in den USA und im Fernen Osten.
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